Sibirische und Gemeine Winterlibelle



Die beiden Winterlibellen sind für Libellen-kundler eine Herausforderung, sind sie doch die einzigen, welche als Imago über-wintern. Alle anderen Libellen verbringen den Winter im Ei- oder Larven-Stadium. Dieser besondere Lebenszyklus der beiden Winterlibellen ermöglichen ungewöhnliche Beobachtungen im Winter. Beide sind jedoch sehr schwer in ihrem Winterhabitat, teilweise viele Kilometer von ihren Repro-duktionsgewässern entfernt, zu finden. Bereits im Winter 2010/ 2011 hatte ich die Gelegenheit die Gemeine und die Sibirische Winterlibelle in ihrem Überwinterungshabitat über zwei Monate zu begleiten. Dabei gelang es mir sogar beide Libellenarten auf dem gleichen Halm unter dem Schnee zu fotografieren! Seither konnte ich in diesem Habitat jeden Winter beide Libellenarten beobachten. Mehrere markierte Tiere begleitete ich von Ende November bis Mitte März. Dies ermöglichte mir ihr Bewegungsprofil von mehr als 100 Tagen aufzuzeichnen.


   

 

 

Lebenszyklus einer Winterlibelle



April/Juni: Eiablage, Ende Juli bis anfangs September: Schlupf





Die Paarungszeit der Gemeinen Winterlibelle beginnt bereits anfangs April, diejenige der Sibirischen Winterlibelle erst in der zweiten April-Hälfte und endet im Juni. 



September - November: in den Jagdgebieten 





Die Jungtiere bleiben zunächst in der Umgebung des Gewässers. Hier jagen sie in Riedwiesen, Lichtungen und an Waldrändern um ihre Reserven für den langen und harten Winter aufzufüllen. Im Oktober ziehen sie sich in die Winterhabitate zurück, teilweise in der näheren Umgebung der Gewässer, oft auch mehrere Kilometer entfernt.



November - März: im Winterhabitat








Bei aufkommendem Schneefall reduzieren die Tiere ihre Sitzposition am Halm, teilweise ziehen sie sich ins Substrat zurück oder lassen sich einschneien. 



Kältestarre





Bei kritisch tiefen Temperaturen für Winterlibellen fallen die wechselwarmen Tiere in eine Kältestarre, welche von fallenden Temperaturen eingeleitet wird. Das Körpersystem fährt gleichmässig mit abnehmender Körpertemperatur bis in eine Art Standby-Modus runter. Alle Lebensvorgänge werden dabei auf ein für das Überleben notwendige Minimum zurückgefahren. Entsprechend wird wenig Energie verbraucht. Das Tier verfügt über eine Art «Frostschutzmittel» im Blut, wahrscheinlich auf einer Glycerin-Basis, diese verhindert ein tödliches frieren der Körperflüssigkeiten. Nachweislich können Winterlibellen Temperaturen von minus 17°C überleben.



April/Juni: Fortpflanzung








Mit den warmen Tagen, ab Mitte März, verlassen die Tiere ihr Winterhabitat und kehren zu den Fortpflanzungsgewässern zurück, um sich zu paaren. Reproduktionsgewässer  der Sibirischen Winterlibelle sind zur Zeit nur in Gottlieben und Altenrhein bekannt.

 

 

 

Meine Beobachtungs- und Forschungshabitate im Winter









 

 

 

 

Veröffentlichte Berichte über Winterlibellen


- Verhalten von Sympecma fusca und S. paedisca in ihrem Winterhabitat  2014 bis 2017


- Winteraktivitäten der Gemeinen und der Sibirischen Winterlibelle (Sympecma fusca         

  VANDER LINDEN, 1820 und Sympecma paedisca BRAUER, 1877) im Winterhabitat im

  Untersuchungsgebiet Lengwiler Weiher


- Aktivitäten der Gemeinen und der Sibirischen Winterlibelle (Sympecma fusca und   

  Sympecma paedisca) im Spätherbst und Winter in ihrem Winterhabitat 2010 - 2013


- Ein aussergewöhnlich warmer Winter 2013/2014 mit den beiden Winterlibellen
  Sympecma fusca und S. paedisca